Objektdaten
Name: Maschinenfabrik Swiderski
Baujahr: 1888
Status: Ruine
Adresse: Zschochersche Str. 78, 04229 Leipzig
Geokoordinaten: 51.32554160829795, 12.3336282760724
Besucht: April, 2024
Wie eine seltsame Mischung aus einem Schloss und einer riesigen Fabrik liegt das, was von der Maschinenfabrik Swiderski noch übrig geblieben ist – halb verbrannt und herruntergekommen und dient als Spielplatz für gelangweilte Kinder, Fotografen und Junkies
Der Aufstieg des Philipp Swiderski
Geboren im Jahr 1836 in Leipzig als Sohn des Marienburger Kanzleirats Wilhelm Boguslaw Swiderski, wuchs Otto Ludwig Philipp Swiderski in einem großbürgerlichen Umfeld auf und studierte in Berlin, Karlsruhe und Essen. IM jahre 1867 war Philipp Swiderski Mitglied des preußischen Komitees für die Pariser Weltausstellung – ein Ereignis, das einen tiefen Eindruck auf ihn hinterließ, da er hier neue Maschinen und Produktionstechniken entdeckte, die in Deutschland bisher unbekannt waren.
Besonders beeindruckt war Swiderski von den Maschinen der Lederindustrie, und beschloss daraufhin seine eigene Werkstatt in Leipzig (zuerst in der Reudnitzer Straße, später in der Talstraße) zu eröffnen. Seine Geschäft lief so erfolgreich das er bald danach anfing dampfbetrieben Druckpressen zu bauen.





Ab 1875 begann Swiderski mit der Produktion von Dampfmaschinen, und bis 1880 stellte er sogenannte “Lokomobile” her – tragbare Maschinen, die oft kleinen Lokomotiven ähnelten und zum Antrieb von Kornmühlen, Kreiselpumpen, Steinbrechern, Dynamos, Häckslern sowie zur Stromerzeugung verwendet wurden.
Philipp Swiderski hatte 1878 einen Sohn, Rudolf Swiderski, der später ein weltweit renommierter Schachmeister wurde. Rudolf beging im Alter von 31 Jahren (1909) Selbstmord – einige sagen, aufgrund einer langwierigen und unheilbaren Krankheit, andere meinen, aufgrund der Scham und des Stresses einer Meineidsverurteilung.
Eine Fabrik im Tudorstil
As the factory in the Talstraße wasnt able to expand anymore, Swiderski opted to buy a 15,000 sqm plot in Plagwitz (Zschochersche Str. 78) – just outside of Leipzig – and erected a brand new factory in 1888. The new location – not only being vastly more spacious had the added benefits of being located close to the Weiße Elster River as well as having direct rail connections.

Maschinenfabrik und Eisengießerei – 1893
The architect Eduard Steyer designed the 110m long factory hall, boiler house as well as several other utility buildings as well as the office building – taking inspiration from gothic as well as tudor architectural styles. The main factory hall was crowned with an imposing 20 meter high tower. The factory now employed around 150 people, though its maximum capacity was set to around 700.
Da man die Fabrik in der Talstraße nicht ausbauen konnte, entschied sich Swiderski, ein 15.000 Quadratmeter großes Grundstück in Plagwitz (Zschochersche Str. 78) – damals direkt außerhalb von Leipzig – zu kaufen und errichtete dort in 1888 eine brandneue Fabrik. Der neue Standort war nicht nur erheblich geräumiger, sondern bot auch den zusätzlichen Vorteil, in der Nähe des Weißen Elster Flusses zu liegen und über direkte Bahnverbindungen zu verfügen.



Ab 1892 begann die Swiderski-Fabrik mit der Produktion von Petroleummotoren, nachdem sie die Lizenz vom Ingenieur Emil Capitaine erworben hatte, was Swiderski einen erheblichen Wettbewerbsvorteil in Deutschland verschaffte. Im selben Jahr erweiterte Swiderski die Fabrik um ein weiters Lagergebäude direkt neben der Hauptfabrik – allerdings mit einem besonderen Twist. Zwischen der Fabrik und dem Lagergebäude blieb ein bedeutender Abstand, der es dem Architekten Paul Ranft ermöglichte, 1897 den Zwischenraum mit einem Stahl- und Glasdach zu überbrücken und so auf kostengünstige Weise eine dritte Produktionshalle zu schaffen.



Die Maschinenfabrik Swiderski wurde 1894 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, wobei Swiderski der Mehrheitsaktionär blieb. Danach änderte sich der Namen im Jahr 1897 in „Leipziger Dampfmaschinen- & Motorenfabrik vormals Ph. Swiderski“ um und dann erneut im Jahr 1900 in „Maschinenbau-Aktiengesellschaft vorm. Ph. Swiderski“. Philipp Swiderski starb im Jahr 1906, aber die Fabrik produzierte bis 1916 weiter.
Maschinenfabrik Swiderski Video
Wir haben ein kurzes Video von der Maschinenfabrik Swiderski gemacht, aber leider erst zu spät bemerkt, dass die Kamera ein Fokussierungsproblem hatte – sodass ein Teil des Videos ständig versucht, scharf zu stellen. Wir haben die Kamera inzwischen ausgetauscht, aber das behebt das Problem im bereits gedrehten Video leider nicht nachträglich.
Von Maschinenfabrik Swiderski zu Georg Spieß Maschinenfabrik
Die Industriewerke GmbH übernahm 1916 die Maschinenfabrik Swiderski und stellte die Motorenproduktion ein. Die Fabrik konzentrierte sich fortan ausschließlich auf Druckmaschinen, was in Kombination mit dem anhaltenden Krieg dazu führte, dass zahlreiche Mitarbeiter entlassen wurden.
1921 wurde die Fabrik erneut verkauft, diesmal an den Industriellen Georg Spieß, und in Georg Spieß Maschinenfabrik umbenannt. Die Fabrik produzierte weiterhin Druckmaschinen, begann jedoch auch mit der Herstellung von Falzmaschinen und Bogenanlegermaschinen.




Leipzig hatte eine relative große industrielle Basis, die eine breite Palette von Teilen für die Luftwaffe und die Wehrmacht produzierte, sowie den großen Luftwaffenstützpunkt Brandis Waldpolenz und die Mitteldeutschen Motorenwerke, was die Stadt zu einem primären Ziel für alliierte Luftangriffe machte. Zwei Drittel der Georg Spieß Maschinenfabrik wurden während eines alliierten Luftangriffs auf die Stadt zerstört – ironischerweise wurde die Mehrheit der industriellen Produktion in Leipzig jedoch nur teilweise unterbrochen.
VEB Druckmaschinenwerk Leipzig
Die Fabrik wurde nach 1945 wieder instandgesetzt, aber 1953 von der DDR verstaatlicht und in VEB Bogenanlegerwerk umbenannt. Im Rahmen der Kollektivierung wurde der VEB Bogenanlegerwerk 1960 mit anderen VEBs zusammengelegt und erneut in VEB Druckmaschinenwerk Leipzig umbenannt. Die Produktion von Druckmaschinen aber wurde fortgesetzt. Es gab Gerüchte, dass die Fabrik zu einem bestimmten Zeitpunkt auch Teile für die Wartburg-Produktion herstellte – dies erscheint jedoch ziemlich unwahrscheinlich.




Nach der deutschen Wiedervereinigung kam die Maschinenfabrik Swiderski – oder, um ihren aktuellen Namen zu verwenden, VEB Druckmaschinenwerk Leipzig – unter die Kontrolle der Treuhand, die sie in den 1990er Jahren an einen Investor aus München verkaufte. Die Fabrik – oder das, was davon übrig ist – wurde seitdem nicht mehr angerührt.
Die Maschinenfabrik Swiderski Heute (2024)
Nachdem der Investor die Fabrik in den 1990er Jahren gekauft hatte, gab es Pläne, das Gelände in Wohneinheiten umzuwandeln. Bis heute passierte aber nichts mit dem Gelände. Angeblich wurde das, was von der Fabrik übrig geblieben ist, unter Denkmalschutz gestellt, was mögliche Bauvorhaben eventuell komplizierte machen. In den letzten Jahren brachen mehrfach Brände in den Fabrikhallen aus, die das ohnehin marode Gebäude noch weiter beschädigten.




Die Stadt Leipzig debattiert derzeit darüber, ob sie das Grundstück zurückkaufen wollen, um es in eine Schule oder ein Kulturzentrum umzuwandeln. Es wird vermutet, dass der derzeitige Eigentümer darauf wartet, dass das Grundstück einen Zustand erreicht, in dem es nicht mehr zu retten ist, um die Gebäude einfach abreißen zu können.
The property is in a truly miserable state. Aside from the continuous vandalism and misuse as a local dumping ground – the Machine factory still attracts explorers and local youth, hell bent on testing their courage. The surviving glass roof is a nice little gem in an otherwise truly trashed building thats most likely not going to survive another 5 years unless the city of Leipzig finally intervenes.
Das Grundstück befindet sich in einem wirklich miserablen Zustand. Abgesehen vom ständigen Vandalismus und der Nutzung Müllabladeplatz zieht die Maschinenfabrik immer noch Entdecker und lokale Jugendliche an, die darauf aus sind, ihren Mut zu testen. Das erhaltene Glasdach ist ein kleines Juwel in einem ansonsten völlig verwahrlosten Gebäude, das höchstwahrscheinlich keine weiteren fünf Jahre überleben wird, es sei denn, die Stadt Leipzig greift endlich ein.
Maschinenfabrik Swiderski Adresse
Zschochersche Str. 78, 04229 Leipzig
51.32554160829795, 12.3336282760724






