Objektdaten

Name: Flugplatz Finsterwalde
(Sonderlandeplatz Finsterwalde Schacksdorf)
Baujahr: 1934 – 1935
Status: Sonderlandeplatz, Teilnutzung, Teilabriss
Adresse: Am Tower, 03238 Lichterfeld-Schacksdorf
Geokoordinaten: 51.60316029053489, 13.744639589344349
Besucht: Juli, 2023
Legaler Besuch: Ja. Die Hangar und der Turm sind zwar für die Öffentlichkeit unzugänglich, die Gebäude im umliegenden Wald sind aber “frei” zugänglich.

Flugplatz Finsterwalde – 1934 von 1945

Der Flugplatz Finsterwalde – wie so viele der Fliegerhorste des Dritten Reiches – wurde zwischen 1934 und 1935 erbaut. Während der Flugplatz Finsterwalde nur eine 1000x400m große Graslandebahn hatte (für damalige Zeiten nicht ungewöhnlich), verfügte er über 6 große Flugzeughangar und eine Wartungshalle, die jeweils mit Betonvorfeldern ausgestattet waren.

luftwaffe flugplatz finsterwalde postkarte
Flugplatz Finsterwalde mitte der 1930er Jahre

Der angrenzende Wald wurde als geeigneter Standort für den Bau von Büros, des Flugplatzkommandos, Kasernen, einer Kantine, des Offizierskasinos sowie eines Sportplatzes und sogar eines 50 Meter langen Schwimmbeckens angesehen. Natürlich hatte der Flugplatz auch einen eigenen Bahnanschluss, um den Transport von Treibstoff und Munition zu erleichtern.

Luftwaffenformationen wurden sehr oft aufgeteilt, umbenannt und neu gruppiert, besonders in den frühen 1930er und mitte der 1940er Jahren, was es ziemlich mühsam macht, die Veränderungen nachzuverfolgen. Die Fliegergruppe Finsterwalde wurde im Februar 1935 gegründet, aber schon im April 1935 in II./Kampfgeschwader 153 umbenannt.

Diese Einheit wurde dann im März 1937 aufgeteilt, wobei eine Einheit in II./Kampfgeschwader 255 (später bekannt als III./Kampfgeschwader 77) umbenannt und nach Leipheim verlegt wurde, während die andere Einheit unter ihrem “ursprünglichen” Namen in Finsterwalde blieb. Das II./Kampfgeschwader 153 in Finsterwalde wurde wieder auf volle Stärke gebracht und erhielt seine endgültige Namensänderung zu II./Kampfgeschwader 3 “Blitz”.

II./Kampfgeschwader 3 “Blitz”

Ich habe beschlossen, einen kleinen Abschnitt über das II./Kampfgeschwader 3 hinzuzufügen, da mein Großvater ein Staffelkapitän im II./Kampfgeschwader 3 war, bevor er Ende 1942 zum IX. Fliegerkorps versetzt wurde und schließlich als Major im Stab des Kommandierenden Generals der Luftwaffe in Italien befördert wurde.

Wie im oberen Abschnitt schon erwähnt, wurde das II./Kampfgeschwader 3 im Jahr 1935 unter dem Namen II./Kampfgeschwader 153 in Finsterwalde gegründet. Viele der Besatzungsmitglieder – einschließlich meines Großvaters – schlossen sich 1936 und 1937 der Legion Condor an, um Franco und den spanischen Faschisten während des Spanischen Bürgerkriegs zu unterstützen (und dabei wertvolle Kampferfahrung zu sammeln).

Nachdem das II./KG 153 zunächst mit Junkers Ju 52 und Dornier Do 23 Bombern ausgerüstet war, wechselte es bis 1937 auf die Dornier Do 17 und Do 17 E. Das Staffelwappen war ein singender Vogel, bekannt als der “Sänger von Finsterwalde“. Der Name stammt von einem äußerst populären Volkslied – dem Finsterwalder Sängerlied – aus dem Jahr 1889, das die Stadt Finsterwalde in ganz Deutschland bekannt machte.

Das II./KG 153 wurde nach Heiligenbeil in Ostpreußen verlegt und am 1. Mai 1939 offiziell in II./Kampfgeschwader 3 “Blitz” umbenannt. Von Heiligenbeil aus startete das II./KG3 einige der ersten Angriffe gegen Polen, insbesondere auf Tczew (Dirschau), Grudziądz (Graudenz), die Schlacht an der Bzura, Praga, Warschau und Modlin. Nach dem Ende des Polenfeldzugs im Oktober 1939 wurde das II./KG3 nach Schweinfurt verlegt und im Jahr 1940 für den Westfeldzug (Schlacht um Frankreich) erneut eingesetzt.

Das II./KG3 führte Einsätze gegen die belgischen Befestigungen und in den Ardennen durch, unterstützte die Überquerung der Maas und die Verfolgung der französischen Armee bis zur Aisne-Oise. Außerdem nahm es an dem großen Luftangriff auf die französische Luftwaffe in der Region Paris teil und griff den Rückzug der Engländer in Dünkirchen an.

Weitere Angriffe wurden gegen Ostende, Zeebrugge und Thourout durchgeführt. Im Juni führte die Staffel Angriffe durch, um die Wehrmacht in der Schlacht um Frankreich zu unterstützen. Nach dem Westfeldzug schlug die Staffel ihr Lager in Antwerpen-Deurne auf. Ab dem 23. Juni 1940 begann die Staffel ihre Bombenkampagnen gegen Großbritannien, bei denen sich mein Großvater diesen Silberpokal verdiente.

Das II./KG3 (sowie das Staffelkommando und I./KG) wurden Mitte März 1941 aus der Luftschlacht um England abgezogen und nach Oldenburg verlegt, um auf den Junkers Ju 88 A Bomber umgeschult zu werden. Von hier aus war der gesamte Verband am Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 beteiligt. Das II./KG3 zog in Richtung Osten über Deblin-Irena, Bojary, Orscha und schlug schließlich sein Lager in Schatalowka auf, während es an Missionen zur Unterstützung der Wehrmacht während der Einkesselungsschlachten von Kiew, in Demjansk und bei den Abwehrkämpfen um Rzhev, Weliki Luki, Wjasma, Smolensk und der ersten Schlacht bei Charkow teilnahm. Zusätzlich führte der Verband Luftangriffe auf Moskau durch.

Nach einer kurzen Verlegung nach Posen im Dezember 1942, um sich neu zu formieren, kehrte das II./KG3 Anfang 1943 an die Ostfront zurück, mit Stationen in Poltawa (Operation Zitadelle), Kirowograd, Orscha und Terespol. Anfang 1944 zog sich das II./KG3 hastig nach Westen zurück über Baranowitschi, Burg bei Magdeburg und landete schließlich im Juli 1944 in Lübeck. Im selben Monat wurde das Kampfgeschwader 3 aufgelöst und alle Soldaten wurden anderen Einheiten zugeteilt. Mein Großvater war zu diesem Zeitpunkt bereits an einen anderen Posten in Italien versetzt worden, wo er schließlich von den Alliierten gefangen genommen wurde. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Beitrag.

Vom Blitzgeschwarder zur Flugzeugführerschule

Nachdem das Blitzgeschwader Finsterwalde verlassen hatte, änderten sich die Aufgaben des Flugplatzes Finsterwalde von der Beherbergung von Bombergruppen hin zur Einrichtung einer Flugzeugführerschule. Die Flugschulen, die in Finsterwalde betrieben wurden, waren wie folgt:

  • April bis August 1939 – Flugzeugführerschule A/B Guben (FFS A/B). Eine Grundausbildungsschule für Piloten, um den A- und B-Pilotenschein zu erwerben.
  • Juli bis November 1939 – Flugzeugführerschule E A/B Finsterwalde
  • Oktober 1939 bis April 1943 – Flugzeugführerschule C Celle
    • November 1939 – Umbenannt in Flugzeugführerschule C Finsterwalde
    • Januar 1940 – Umbenannt in Flugzeugführerschule C 7
    • April 1943 – Verlegt nach Clermont-Ferrand-Aulnat, Frankreich

Nachdem die Flugzeugführerschule C 7 nach Frankreich verlegt worden war, zog im August 1943 eine Ausbildungskompanie für Funker der Luftwaffennachrichtenschule ein und blieb dort bis mindestens 1944.

Mit der langsamen wende des Krieges im Jahr 1943 begann der Flugplatz Finsterwalde eine größere Rotationen von Kampf-, Schlacht- und Jagdgeschwadern zu sehen. Einige der nennenswerten Geschwarder waren:

  • 6./Kampfgeschwader 200
  • Stab/Jagdgeschwader 11
  • II./Jagdgeschwader 27
    • Sowohl das JG 11 als auch das JG 27 wurden 1944 weiter westlich verlegt, um an den Abwehrmaßnahmen gegen die alliierte Operation “Market Garden” teilzunehmen.
  • Stab/Jagdgeschwader 300
  • 4./Schlachtgeschwader 151
  • II./Jagdgeschwader 5 “Eismeer”
  • 1. (Pz)/Schlachtgeschwader 9
    • Diese Einheit wurde auf die Nutzung der Focke-Wulf Fw-190 F umgeschult, die mit der neu entwickelten “Panzerblitz”-Rakete ausgestattet war.
  • Stab/Schlachtgeschwader 151

Es gibt auch das langjährige Gerücht, dass Flugzeuge der “Fliegerstaffel des Führers” zwischen März und April 1945 hier stationiert waren.

Der Flugplatz Finsterwalde setzte seine Operationen fort, bis die Rote Armee am 20. April 1945 eintrafen. Ein deutsches Sprengkommando versuchte hastig vor der evakuierung, die Flugzeugwartungshalle zu zerstören, doch nur die Hälfte der Bomben detonierten, was einen teilweisen Einsturz des Gebäudes verursachte. Der Flugplatz wurde am 21. April 1945 vollständig von der Roten Armee erobert.

Die Sowjetarmee in Finsterwalde – 1945 to 1993

Die Sowjets nutzten den Flugplatz Finsterwalde sofort, der abgesehen von der Wartungshalle vollständig intakt geblieben war. In den frühen 1950er Jahren begannen die Sowjets, Finsterwalde auszubauen, indem sie eine 2050 m lange Start- und Landebahn hinzufügten, die es ihnen ermöglichte, dort bis 1954 über ein Dutzend MiG-15 zu stationieren (die später auf 2400 m verlängert wurde). Nach einer Reihe von Rotationen von Angriffs- und Bomberflugzeug-Einheiten wurde das 559. Jagdfliegerregiment (559-й истребительный авиационный полк) – ausgerüstet mit der MiG-17 – ab 1956 “permanent” in Finsterwalde stationiert.

Sonderwaffenlager Finsterwalde

Die wichtigste Erweiterung des Flugplatzes Finsterwalde fand zwischen 1961 und 1964 statt, als die Sowjetunion das “Sonderwaffenlager Finsterwalde” – einen Nuklearwaffenbunker – errichteten. Der offizielle Codename für den Komplex war “2952 Reparatur-Technische Basis der Luftstreitkräfte” (РТБ ВВС 2952). Anscheinend hatte sogar die Mehrheit des sowjetischen Militärs am Flugplatz Finsterwalde keine wirkliche Ahnung, was dort vor sich ging, da der Bunker von einer 600 Mann starken Sicherheitstruppe bewacht und instand gehalten wurde.

Das Sonderwaffenlager – vom Typ BASALT – war Baugleich wie die sowjetischen Sonderwaffenlager am Flugplatz Brandt und Lärz. Die Sowjetunion hatten mindestens 31 Standorte in der DDR, an denen sie Nuklearwaffen lagerten. Einige der bekannteren Standorte befanden sich in Brand, Fürstenberg, Groß-Dölln, Großenhain, Himmelpfort, Stolzenhain, Vogelsang, Werneuchen und Wittstock.

Obwohl spezifische Details rar sind, kennen wir einige technische Aspekte. Die Vorderseite des Bunkers war mit einem massiven Ladekran ausgestattet, während der Eingang im Wesentlichen durch 25-Tonnen-Drucktore versiegelt war. Der vordere Bereich des Sonderwaffenlagers bestand aus einem zweigeschossigen technischen Bereich, der mit allen notwendigen Geräten ausgestattet war, um den Bunker betriebsbereit, gekühlt und gesichert zu halten. Der hintere Bereich bestand aus einem 9 Meter breiten und 40 Meter langen Lagerraum, der nur durch ein weiteres paar von Drucktoren zugänglich war.

Interessanterweise war der gesamte Bunker groß genug und so konzipiert, dass Lastwagen direkt durch das Gebäude fahren konnten, um die nuklearen Sprengköpfe zu entladen. Der gesamte Bunker war ungefähr 70 Meter lang und mit einer beträchtlichen Menge Erde bedeckt, um seine Tarnung zu unterstützen. Es wird angenommen, dass die anfängliche Lagerkapazität des Sonderwaffenlagers Finsterwalde etwa 40 nukleare Sprengköpfe betrug und Mitte der 1980er Jahre auf ungefähr 80 erhöht wurde.

LABS – Ein Testlauf für den Nuklearangriff

Während die Amerikaner sich vieler sowjetischer Aktivitäten in Ostdeutschland bewusst waren, hatten sie bis Mitte der 1960er Jahre nur wenig konkrete Informationen über die sowjetischen Nuklearkapazitäten außerhalb der Sowjetunion. Ein US-Geheimdienstbericht stellte fest:

“Wir konnten Nuklearwaffenlager nur innerhalb der UdSSR identifizieren. Wenn die Sowjets noch keine Nuklearwaffen in Osteuropa gelagert haben, wäre ein erheblicher logistischer Aufwand erforderlich, um eine angemessene Menge für die derzeit in der Region vorhandenen Trägersysteme bereitzustellen.”

Capabilities of Soviet General Purpose Forces, 1964 -1970

Die Amerikaner erhielten jedoch 1967 einen bedeutenden Hinweis, als sie ein sowjetisches LABS-Manöver über dem Bombenabwurfplatz Gadow-Rossow beobachteten.

“Neue Bombentaktiken von FITTER-Flugzeugen wurden zum ersten Mal über einem Bombenabwurfplatz beobachtet. Techniken des Bombenabwurfs aus niedriger Höhe und über die Schulter wurden beobachtet, wobei mindestens eine deutlich sichtbare Luftdetonation in eine pilzförmige Wolke aufging. Das Auftreten größerer Übungsbomben und neuer Abwurftaktiken deutet darauf hin, dass FITTER-Flugzeuge möglicherweise nun für Nuklearbomben-Einsätze trainieren.”

USMLM, 1967

Das Geheimnis der “Halle 7” in Finsterwalde

Flugplatz Finsterwalde / Sonderwaffenlager Finsterwalde Video

Flugplatz Finsterwalde – Schacksdorf – 1993 to 2022

Flugplatz Finsterwalde Heute (2023)

Flugplatz Finsterwalde | Sonderwaffenlager Finsterwalde Adresse

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.