
Berlin besteht aus Bunkern. Egal wo man hingeht, die Chancen stehen ziemlich gut, dass man über Spuren oder Überreste eines Bunkers stolpert. Ob im Volkspark Friedrichshain, unter dem Alexanderplatz, der Boros-Bunker oder die Reste des Flakturms am Gesundbrunnen – die Stadt ist voll davon. Manche sind offensichtlicher als andere, aber in einem der vielen Berliner Parks findet man so gut wie garantiert die Reste eines Bunkers. Und in einem dieser Parks findet man, was vom Ausländerlager Schönholz übrig ist.
Der Volkspark Schönholzer Heide (1750er–1940)
Die Geschichte des Volksparks Schönholzer Heide reicht bis in die 1750er Jahre zurück, als Königin Elisabeth Christine ein Stück Land kaufte, um eine Maulbeerplantage anzulegen. Einige Jahre später wurde am Rand des Parks eine kleine Weberkolonie angesiedelt. Ab 1791 wuchs diese Kolonie und wurde in Schönholz umbenannt. Ab 1800 entstand ein kleines Schloss, in dem von 1872 bis 1884 eine Mädchenschule untergebracht war.
Ab 1900 wurde der südliche Teil des Parks für die Öffentlichkeit geöffnet und bei den Berlinern immer beliebter. Restaurants, Schießstände, Tennis- und Fußballplätze schossen aus dem Boden. Zur selben Zeit zog der Lunapark aus Halensee – der größte Vergnügungspark Europas – in den Park nach Schönholz.


Das Zwangsarbeiterlager (1940–1945)
Zwischen Juni 1940 und April 1945 entstand hier eines der größten Zwangsarbeiterlager Berlins. Ende 1942 waren hier 2.500 Polen, Franzosen, Belgier, Kroaten, Serben und „Ostarbeiter“ (Menschen aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion) untergebracht. Ab 1943 wurden in einem eigenen Lagerteil außerdem italienische Soldaten interniert.
Die ersten Zwangsarbeiter wurden vorübergehend in den Sälen des Restaurants „Schloss Schönholz“ untergebracht, später zogen sie in Baracken, die auf dem Gelände des Vergnügungsparks errichtet wurden – daher der Name „Luna-Lager“.
Eingerichtet wurde das Lager von den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken, die in ihren verschiedenen Werken Zwangsarbeiter einsetzten. Das Berliner Werk lag am Eichborndamm in Borsigwalde, wo die Zwangsarbeiter in 12-Stunden-Schichten sechs Tage die Woche arbeiten mussten. Neben der Arbeit in den Munitionsfabriken mussten die Gefangenen auch in den Bergmann-Elektricitäts-Werken in Wilhelmsruh arbeiten.



Unzureichende Essensrationen, schwere körperliche Arbeit und vor allem der fehlende Schutz vor den alliierten Luftangriffen kosteten über hundert Gefangene das Leben. Befreit wurde das Lager schließlich im April 1945, als die Sowjets in Berlin einmarschierten.
Das Ausländerlager heute (2013)
Vom Ausländerlager Schönholz ist fast nichts mehr übrig. Die Reste des Lunaparks wurden abgerissen, ebenso die Baracken und jede andere Spur des Zwangsarbeiterlagers. Die einzigen Spuren dessen, was hier einmal stand, sind ein kleiner Hochbunker und ein kleiner Kriegsfriedhof, auf dem Zivilisten, Soldaten und einige Zwangsarbeiter begraben sind.


Der Hochbunker liegt „versteckt“ in einem kleinen Waldstück im Volkspark Schönholzer Heide. Ein schmaler Weg führt direkt daran vorbei, aber von den Joggern, Hundebesitzern und Kindern, die dort unterwegs sind, wird er kaum bemerkt.
Die Eingänge wurden mit Erde zugeschüttet und die „Fenster“ alle zugemauert. In einem der zugemauerten Fenster ist ein kleines Loch, durch das man hineinspähen kann, aber ohne Taschenlampe gibt es nicht viel zu sehen. Geht man um den Bunker herum zum hinteren Eingang, stellt man fest, dass bei einem der Fenster die Steine entfernt wurden. Wer abenteuerlustig genug ist, kann in den Bunker steigen und sich umsehen. Abgesehen von ein paar Ziegeln, Müll, einigen Rohren und jeder Menge Mücken gibt es allerdings kaum etwas zu finden.



Am Eingang des Parks erklärt eine kleine Tafel die Geschichte des Lagers in drei Absätzen – aber die meisten Leute stoßen nur zufällig darauf. Pläne für den Bunker gibt es derzeit keine. Wer an ihm vorbeigeht, kann nur ahnen, welche dunkle Geschichte hinter ihm steckt.
Ausländerlager Schönholz
Adresse: Volkspark Schönholzer Heide, Straße vor Schönholz / Hermann-Hesse-Straße, 13156 Berlin
Geokoordinaten: 52.574732, 13.384455
Öffentliche Verkehrsmittel: S1, S25 und S85, S-Bahnhof Berlin-Schönholz






