Wer sich in die Wälder rund um Berlin wagt, kann nie ganz sicher sein, auf welche vergessenen und verlassenen Orte er stößt – vor allem, wenn es nur ein paar Kilometer westlich von Berlin nach Dallgow-Döberitz geht.
Die Döberitzer Heide (1753–1994)
Das erste Großmanöver – mit über 44.000 Soldaten – fand 1753 unter Friedrich II. in Dallgow-Döberitz statt, offizieller Truppenübungsplatz wurde das Gebiet aber erst 1895 unter Kaiser Wilhelm II. 1910 entstand hier eine Fliegerschule, und 1914 war hier das Fliegerbataillon Nr. 1 stationiert – bei dem auch das Fliegerass Manfred von Richthofen (der Rote Baron) ausgebildet wurde.
Mitte der 1930er-Jahre begannen die Nationalsozialisten, in der Döberitzer Heide Truppen zu stationieren und auszubilden – vor allem in der Löwen-Adler-Kaserne –, darunter die berüchtigte Legion Condor, die in den Spanischen Bürgerkrieg zog. 1947 zogen die Sowjets ein und stationierten schließlich Raketen und 20.000 Soldaten in der Gegend. Nach der Ratifizierung des Zwei-plus-Vier-Vertrags und der Wiedervereinigung kehrten die Sowjets heim, und der Truppenübungsplatz Döberitz blieb verlassen zurück. Aber nicht lange: Die Bundeswehr sicherte sich ein Stück des Geländes in Dallgow-Döberitz und nutzt es bis heute als Übungsplatz – der Rest wurde in ein Naturschutzgebiet umgewandelt.
Die verlassene Waldstraßenbahn heute (2019)
Wer in der Döberitzer Heide von einem der offensichtlichen Naturpfade abweicht und ins Unterholz wandert, entdeckt bald einige verdächtige Krater, die über den Waldboden verstreut sind. Nach ein paar Minuten durch das dichte Grün öffnet sich zwischen den Bäumen eine Lichtung, und dort liegen die rostigen Überreste eines Fahrzeugs.
Bei genauerem Hinsehen entpuppte es sich als die verlassenen Überreste einer Straßenbahn, die man einfach der Natur überlassen hatte. Man fragt sich natürlich, wie eine Straßenbahn in einem Wald in der Döberitzer Heide landet – nach kurzer Recherche und mit Hilfe einiger sehr kundiger Leute (vielen Dank, Markus) war das Rätsel aber schnell gelöst.
Gebaut wurde die Straßenbahn von der LOWA – der 1945 gegründeten VVB des Lokomotiv- und Waggonbaus der DDR (der Vereinigung Volkseigener Betriebe des Lokomotiv- und Waggonbaus). 1954 benannte sich die VVB LOWA in VVB Schienenfahrzeugbau um und später noch einmal in VEB Kombinat Schienenfahrzeugbau der DDR. Die LOWA bündelte im Grunde alle Lokomotiv- und Waggonbauunternehmen unter einem Dach.
Die verlassene Straßenbahn – ein LOWA ET50 – wurde 1951 gebaut und bei den Potsdamer Verkehrsbetrieben mit der Nummer 131 in Dienst gestellt. Nach 25 Jahren treuer Dienste wurde sie 1976 der Roten Armee „zu Übungszwecken“ überlassen. Was genau in den folgenden Jahren mit ihr geschah, lässt sich nicht wirklich sagen – sie landete jedenfalls auf dem Truppenübungsplatz in der Döberitzer Heide. Umgeben von Betonschutt und Kratern, mit Bäumen, die aus ihrem Rahmen wachsen, ist die verlassene Potsdamer Straßenbahn zu einem schönen kleinen Lost Place geworden – wenn man weiß, wo man sie findet.
















